Vom Umgang mit Wut, Hilflosigkeit und Co… 1

Seit ich gestern Abend von den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln gelesen habe, überlege ich, was ich dazu heute schreibe. An wem die Schlagzeilen vorbei gegangen sind: Am Kölner Hauptbahnhof wurden mehrere Frauen von Männern in kleinen und größeren Gruppen ausgeraubt und sexuell belästigt. Inzwischen gibt es wohl um die 90 Anzeigen.

Ich möchte das gerne kommentieren und zwar so, dass es einen Nutzen für dich als Leser solcher Nachrichten hat. Das heißt, ich beteilige mich weder an der Zurschaustellung der Erlebnisse der betroffenen Frauen noch an der verallgemeinernden Verurteilung der Männer. Ich suche in dir auch keinen Verbündeten, der meine Meinung teilt. Stattdessen möchte ich dir einen gesünderen Weg zeigen, mit dem Schmerz umzugehen, den solche Nachrichten für die meisten Menschen mit sich bringen. Mit Schmerz meine ich schmerzhafte Gefühle wie Wut, Angst, Hilflosigkeit, Hass  usw. Weiterlesen „Vom Umgang mit Wut, Hilflosigkeit und Co… 1“

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Wie willst du beginnen?

Die Weihnachtsfeiertage sind wie im Flug vergangen, jetzt sitze ich hier eingehüllt vom warmen Licht unseres Baumes und bin in Gedanken bei der Vorbereitung meines Silvesterworkshops. Das ist einer meiner Lieblingsworkshops, bei dem wir zusammen kommen, gemeinsam das vergangene Jahr Revue passieren lassen, miteinander teilen, welche schwierigen Momente  wir überwunden, welche Grenzen erweitert, welche Beziehungen wir vertieft haben und wofür wir dankbar sind. Das ist in jedem Jahr sehr berührend und ein irgendwie heiliger Moment.

Im zweiten Teil stimmen wir uns auf das neue Jahr ein. Das ist der Teil, der mich in den letzten Tagen grübeln lässt. Normalerweise frage ich meine Teilnehmer, was sie sich für den nächsten Abschnitt wünschen, worauf sie ihren Fokus setzen, wer sie im nächsten Jahr sein wollen.  Wir werden uns auch dieses Mal damit beschäftigen, denn ich halte es für absolut sinnvoll, die eigene Aufmerksamkeit darauf zu legen, wer und wie man sein will, anstatt im Alltag hauptsächlich gegen das zu kämpfen, was man nicht will. Weiterlesen „Wie willst du beginnen?“

Ich sollte sein….

Ich möchte heute gerne einen Text von Jorge Bucay aus seinem Buch „Komm, ich erzähle dir eine Geschichte“ mit dir teilen. Nach dem Lesen dieser Zeilen herrscht meist betroffenes Schweigen. Die Ursache der eigenen Schwierigkeiten ist sicht- und spürbar.

Wenn es dein Ziel ist, glücklich zu sein, indem du dich selbst frei und liebevoll akzeptieren kannst, wie du bist, ist es nötig, zuerst eine Bestandsaufnahme zu machen. Was denkst du über dich? Wo verurteilst du dich? Was glaubst du, wie du sein solltest, um liebenswert zu sein?

Selbstablehnung
Jorge Bucay: „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“  Weiterlesen „Ich sollte sein….“

Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Bei der Beschäftigung mit Selbstzweifeln stelle ich immer wieder fest, wie schmal der Grat ist zwischen gnadenloser Selbstgeißelung oder einem amüsierten, vergebungsbereitem Verständnis für sich.  Innerhalb von Sekunden entscheiden wir, ob wir uns fertig machen, klein und schlecht fühlen oder aufstehen, die Krone richten und bereit sind, unseren Weg entschlossen fortzusetzen.

Die spannende Frage des Tages: Was macht den entscheidenen Unterschied aus?

Weiterlesen „Wer wärst du ohne diesen Gedanken?“

Zweifel am Zweifel?! (2/2)

Möglicherweise hat „Lara“ auf meine Fragen betroffen oder mit verärgerter Schnappatmung reagiert.  – Manchmal schadet eine freundliche Provokation nichts, um ein gut geöltes Hamsterrad einen Moment lang anzuhalten.

Ich halte das Festhalten an der Überzeugung, man sei nicht gut genug, um geliebt zu werden letztendlich für eine ungesunde Gewohnheit. Wahrscheinlich sind wir ein Leben lang damit beschäftigt, diese Gewohnheit aufzugeben und zu lernen uns selbst immer tiefer und umfassender zu lieben.  Weiterlesen „Zweifel am Zweifel?! (2/2)“

Zweifel am Zweifel?! (1/2)

In meinem letzten Beitrag habe ich selig über all die tollen Menschen geschrieben, die mir begegnen. Tragischerweise sehen das die wenigstens genauso, wie toll sie sind. Im Gegenteil. Mir fallen sofort mehrere Frauen ein, denen ich letzte Woche gegenüber saß und entgeistert zugehört habe, wie abwertend sie von sich selbst reden.

Eine Frau verzaubert mich jedes Mal, wenn sie zur Tür rein kommt. Ich finde sie umwerfend schön, sie ist sehr aufmerksam, lieb, ehrlich, fleißig, kann über sich selbst lachen und hat (inzwischen) klare Werte. An einer anderen Frau liebe ich ihren großartigen Humor, ihre scharfsinnige Intelligenz, ihren Mut, die Disziplin, mit der sie an der Umprogrammierung hemmender Glaubenssätze dranbleibt, auch wenn es oft hart ist und, wenn sie sie denn mal zulässt, ihre wunderschöne weiche, sanfte Seite. Ich könnte weiter aufzählen, was ich an den einzelnen Menschen schätze, schön, liebenswert finde. Aber darum geht es heute nicht. Mir geht es darum, dass sie das selbst nicht sehen bzw. nicht glauben.  Weiterlesen „Zweifel am Zweifel?! (1/2)“

Siehst du die Geschenke?

Heute kam ich nach einem sehr langen Tag selig nach Hause, dankbar für viele herzliche Begegnungen mit tollen Menschen. Meine Familie habe ich nur beim Frühstück gesehen, abends schlafen schon alle, so dass ich in Ruhe den Tag noch einmal durchgehen kann.

Mein Mann und ich haben beim Frühstück viel gelacht, unsere Kinder sind frisch aus dem Bett, noch herrlich schlafwarmkuschelig, sowieso zum Knutschen.  Unser Jüngster wurde beim Ankommen im Kindergarten so lieb und persönlich begrüßt wie jeden Tag. Er ist nicht nur eine Nummer auf der Liste der ankommenden Kinder, er wird gesehen. Was für tolle Erzieherinnen, die sich jeden Tag aufs Neue auf die Kinder einlassen! Ich weiß nicht, wie ihr Morgen war, ob sie einen guten Start in den Tag hatten oder ob sie gerade Sorgen quälen, ich sehe nur, dass mein Kind mit einem echten, herzlichen Lächeln und Handschlag willkommen geheißen wird. Dankbar darüber kann ich beruhigt gehen, weil ich weiß, unser Sohn ist dort gut aufgehoben.    Weiterlesen „Siehst du die Geschenke?“